BauSchau Düsseldorf, Brehmstraße 41
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Pre­view zur Aus­stel­lung “Pet­ö­fis Leich­nam” in der Bau­Schau Essen.

Tomoya Ima­mu­ra ver­sucht in sei­ner Aus­stel­lung eine unga­ri­sche Gegen­wart zu umschrei­ben, deren post­so­zia­lis­ti­sche Rea­li­tät eine neue Form des Natio­na­lis­mus nährt. Die Per­spek­ti­ve des Ver­lie­rers prägt nach jahr­hun­der­te­lan­ger Fremd­be­stim­mung die Iden­ti­tät des Lan­des und führt heu­te zu einer Wie­der­ent­de­ckung und Neu­erfin­dung der eige­nen Geschich­te. Vor­christ­li­che Sagen und Hel­den­ge­schich­ten aus den vie­len geschei­ter­ten Revo­lu­tio­nen stär­ken das Selbst­be­wusst­sein eines Vol­kes, wel­ches sich nicht län­ger in einer euro­päi­schen Neben­rol­le sehen will.

In die­ser Bild­rei­he wer­den doku­men­tar­fo­to­gra­fi­sche und insze­nier­te Bil­der kom­bi­niert, wodurch eine Par­al­le­le zu der Rea­li­tät und Insze­nie­rung der Gegen­wart geschaf­fen wer­den soll. Teil die­ser Insze­nie­rung sind Papp­ma­s­ché­ob­jek­te, die zum Teil unga­ri­sche Natio­nal­sym­bo­lik, zum Teil ost­eu­ro­päi­sche Kli­schees, sowie kom­mu­nis­ti­sche Sym­bo­lik dar­stel­len. In Sze­nen und Por­traits wer­den All­tags­si­tua­tio­nen dar­ge­stellt, in wel­che sich die­se Sym­bo­le ein­fü­gen. Sie die­nen als wei­ße Pro­jek­ti­ons­flä­che oder aus­ge­brann­te Form. Für Außen­ste­hen­de sind die Objek­te bei­na­he der ein­zi­ge direk­te Ver­weis auf Ungarn, wobei die dar­ge­stell­te Natio­nal­sym­bo­lik für sol­che nicht mehr Auf­schluss bie­tet als der gele­gent­li­che Schrift­zug in unga­ri­scher Spra­che. Die Ver­ort­bar­keit bleibt dadurch im ost­eu­ro­päi­schen Raum und betont den kom­mu­nis­ti­schen Schlei­er, der den ehe­ma­li­gen Ost­block in uni­for­men Beton gegos­sen hat.

Die post­so­zia­lis­ti­sche Ent­wick­lung fin­det sich eben­so in den Details der Raum­be­schrei­bun­gen. So zie­ren Gebäu­de zum Bei­spiel „medi­ter­ra­ne“ Far­ben und Deko­ra­ti­ons­ele­men­te, weil spa­ni­sche Tele­no­ve­las in den Neun­zi­gern den neu­en selbst­be­stimm­ten Wohn­stil präg­ten. Die­ser süd­län­di­sche Oran­ge­ton und das sozia­lis­ti­sche Minz­grün der Sieb­zi­ger zieht sich durch die gesam­te Arbeit und fin­det sich leicht gebro­che­ne in den Klap­pen des Buches wieder.

Auf dem Titel des Buches, sowie auf eini­gen der Bil­der wie­der­holt sich auch der 1kg Laib Weiß­brot, wel­cher einer­seits das stan­dar­di­sier­te Über­bleib­sel des Sozia­lis­mus ist, ande­rer­seits gera­de durch den Titel „Pető­fis Leich­nam“ auf den Leib Chris­ti ver­weist und die christ­li­chen Bezü­ge der rech­ten Bewe­gung miteinbezieht.

Pető­fi war Ungarns Natio­nal­dich­ter und Mär­ty­rer wäh­rend der Revo­lu­ti­on 1848 gegen Öster­reich. Sei­ne patrio­ti­schen Gedich­te wer­den noch heu­te in Schu­len aus­wen­dig gelernt, jedoch ver­blei­ben sein Tod und des­sen Umstän­de bis heu­te unklar. Ver­mut­lich wur­de er nach einer Schlacht auf der Flucht von einem rus­si­schen Sol­da­ten erschla­gen, was sei­nem pro­mi­nen­ten Auf­ruf zum Hel­den­tod wider­spre­chen wür­de. Die­se schein­bar unbe­deu­ten­de Unklar­heit und der Pathos, der sei­nen Namen umgibt, beschrei­ben zugleich auch das natio­na­le Emp­fin­den Ungarns.

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