05.05. bis 02.06.2026
Aufsichtszeiten: jeden Donnerstag 17-19 Uhr
Mit Sibylle Czichon, Hanna Kuster, Antonia Rodrian, Lara Werth
CALM COMMA CHAOS
Die Ausstellung CALM COMMA CHAOS versammelt vier Künstlerinnen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Zuständen von Ordnung und Auflösung, Konzentration und Überforderung, Ruhe und Dynamik auseinandersetzen. Zwischen figurativer Verdichtung, urbaner Fragmentierung und prozessualer Malerei entfaltet sich ein Spannungsraum, in dem Wahrnehmung nicht stabil bleibt, sondern in Bewegung gerät.
Hanna Kuster erweitert den malerischen Raum in den dreidimensionalen Bereich und macht ihre Arbeiten physisch erfahrbarer. In „15qm/350,- warm“ und „Volksgarten“ orientieren sich die aus Pappkarton gebauten Werke an realen Situationen und greifen persönliche Bezüge auf, die sich in Miniaturwelten und erzählerischen Fragmenten verdichten. Dabei entstehen räumliche Setzungen, die zwischen Modell, Erzählung und Bild oszillieren. Zugleich bleibt Kusters Arbeit eng mit Fragen an die Malerei verbunden: mit Farbe, dem Material Papier, Figuration und der Entwicklung einer eigenständigen Bildsprache.
In den Arbeiten von Antonia Rodrian erscheinen menschliche Handlungen wie in Zeitlupe. Ihre Malerei übersetzt kollektive Gesten und alltägliche Interaktionen in einen Bildaufbau, der Wiederholung und Rhythmus scheinbar innehalten lässt. Die Figuren und Objekte sind aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst; sie werden zu Trägern von Erinnerung und Möglichkeit. So kippt das Figürliche ins Abstrakte und öffnet Räume für eine Stimmung, die sich zwischen An- und Abwesenheit des Menschen als Bezugspunkt bewegt.
Auch in den Bildwelten von Lara Werth bleibt die menschliche Existenz als gedankliche Referenz erkennbar, auch wenn der Mensch als Figur darin nie erscheint. Ihre urbanen Landschaften auf Papier wirken wie mentale Kartografien einer Gegenwart, in der Orientierung instabil geworden ist. Städte, architektonische Elemente, Gebäude und Strukturen tauchen fragmentarisch auf und verdichten sich so zu einem Konstrukt aus Linien, Farbe und Flächen, deren visuelle Überreizung den Betrachtenden einen präzisen Blick abverlangt.
Sibylle Czichon versteht Malerei als Prozess, indem die Suche nach der Form zum letztendlichen Bildgegenstand wird. Ihre Arbeiten entstehen aus einer unmittelbaren körperlichen Auseinandersetzung mit dem Material sowie aus einem fortwährenden Wechselspiel von Aktion und Reaktion zwischen Künstlerin und Werk. Schichtung, Bruch und Korrektur bleiben sichtbar und machen die Leinwand zu einem Ort permanenter Aushandlung. Die abstrakte Darstellung wird nicht zum Abbild einer Idee, sondern zum Zustand seines eigenen Werdens.
Zwischen diesen einst gegensätzlich erscheinenden Polen spannt CALM COMMA CHAOS ein Feld auf, in dem Ruhe nie vollständig stillsteht und Chaos nicht endgültig wird. Vielmehr werden Grenzen aufgelöst, sodass Übergänge entstehen können und Parallelen sichtbar werden: zwischen malerischen und inhaltlichen Ebenen, zwischen Figur und Fläche, zwischen Kontrolle und Destabilisierung. Das COMMA im Titel markiert genau diesen Zwischenraum – einen Moment des Innehaltens, der sowohl den Künstlerinnen während ihrer Praxis im Atelier, als auch den Betrachtenden vor den entstandenen Werken begegnet.